Rechtsrat durch KI? Chancen, Grenzen und erhebliche Risiken
- Dr. iur. Marcel Faßbender

- 1. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen

Künstliche Intelligenz (KI) – etwa in Form allgemein zugänglicher Chatbots – wird zunehmend zur Beantwortung rechtlicher Fragestellungen genutzt. Die Ergebnisse wirken häufig strukturiert, sprachlich überzeugend und juristisch plausibel. Gerade darin liegt jedoch das Risiko. Ein Rechtsrat durch KI erscheint mehrheitlich fragwürdig.
KI-Systeme erzeugen Texte auf Basis statistischer Wahrscheinlichkeiten. Sie „wissen“ nicht im juristischen Sinne, sondern formulieren Antworten, die sprachlich passend erscheinen. Dabei kommt es regelmäßig vor, dass:
Entscheidungen, Normen oder Quellen unzutreffend oder frei erfunden angegeben werden, aktuelle Gesetzesänderungen nicht berücksichtigt werden, Einzelfallumstände nicht zutreffend gewichtet werden, komplexe Abwägungen verkürzt oder schematisch dargestellt werden.
Das Ergebnis wirkt oftmals überzeugend – auch für juristisch vorgebildete Personen – ist im Detail jedoch fehlerhaft oder rechtlich unhaltbar.
KI kann unterstützen – aber nicht beraten
KI-gestützte Systeme können hilfreich sein bei:
sprachlichen Anpassungen von Texten, Strukturierung von Gedankengängen, Formulierungshilfen oder stilistischen Überarbeitungen, allgemeinen rechtlichen Orientierungshinweisen.
Für eine belastbare rechtliche Beratung sind sie jedoch nicht geeignet. Selbst spezialisierte juristische KI-Lösungen, die deutlich hochwertiger arbeiten als frei zugängliche Systeme, sind als Arbeitswerkzeuge für Juristen konzipiert. Die jeweiligen Anbieter weisen ausdrücklich darauf hin, dass eine eigenverantwortliche Prüfung durch einen qualifizierten Rechtsanwalt unerlässlich ist. Auch diese Systeme ersetzen keine juristische Expertise, sondern unterstützen sie lediglich.
Rechtsberatung erfordert Verantwortung.
Rechtsfragen sind selten abstrakt, sondern nahezu immer vom konkreten Sachverhalt abhängig.
Eine rechtliche Bewertung erfordert:
sorgfältige Sachverhaltsaufklärung,
Kenntnis aktueller Rechtsprechung,
systematische Gesetzesauslegung,
strategische Einschätzung von Risiken und Prozesschancen,
persönliche Haftungsübernahme.
Eine KI übernimmt keine Verantwortung. Sie haftet nicht für fehlerhafte Auskünfte. Die wirtschaftlichen oder rechtlichen Folgen trägt allein derjenige, der sich auf die Auskunft verlässt. Gerade im rechtlichen Bereich kann ein unkritisches Vertrauen in KI-generierte Antworten daher nicht nur unzureichend, sondern im Einzelfall sogar gefährlich sein.
Unser Anspruch:
Moderne Technologien beobachten wir aufmerksam und setzen geeignete digitale Werkzeuge unterstützend ein. Die rechtliche Prüfung, Bewertung und Verantwortung verbleibt jedoch stets bei einem erfahrenen Juristen.
Rechtsberatung ist mehr als Textproduktion. Sie ist Analyse, Bewertung, Erfahrung und Verantwortung.




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